Mai/Juni 2010

Bekenntnis zur kommunalen Schulsozialarbeit

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

dass wir nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen, darüber war sich schon Seneca im alten Rom im Klaren. Dennoch hat es lange gedauert, bis die Schule nicht nur als Lernort, sondern auch als Lebensort für die Schüler begriffen wurde. Heute weiß man, dass die Schule immer mehr die Familie in ihrer Funktion ablöst, der Ort zu sein, an dem Persönlichkeitsentwicklung stattfindet. Damit geht einher, dass Kinder und Jugendliche oftmals auch mit außerschulischen Problemen, beispielsweise im Freundeskreis oder der Familie, Hilfe bei ihren Lehrern suchen.

Diese Hilfe geht weit über den Lehrauftrag einer Schule hinaus und kann von einem Lehrer alleine nicht geleistet werden. Vor allem dann, wenn die Probleme sich als so massiv darstellen, dass die Handlungskompetenz der öffentlichen Jugendhilfe angezeigt ist. Hier sind Lehrern oftmals die Hände gebunden, denn sie können nicht ohne Weiteres von sich aus die Jugendhilfe einschalten. Es ergibt sich das Dilemma, entweder dem Schüler nicht ausreichend zu helfen oder die eigene Kompetenz widerrechtlich zu überschreiten.

Einen erfolgreichen Ausweg bietet die kommunale Schulsozialarbeit stadtweit seit 15 Jahren und im Stadtteil Mundenheim bereits seit 1992. Schulsozialarbeiter stellen die Nahtstelle zwischen Jugendamt und Schule dar, begleiten über mehrere Jahre die Schüler durch ihren Schulalltag und sind dabei ergänzende sozialpädagogische Ressource. Sie bieten über den Regelauftrag der Schule hinausgehende Zielsetzungen, Aktivitäten und Herangehensweisen und können durch die enge Vernetzung in der Jugendhilfe im Bedarfsfall individuell helfen und erhebliche Folgekosten vermeiden.

Wir als SPD-Fraktion begleiten diese Arbeit von Beginn an und sind überzeugt von der Notwendigkeit einer starken Schulsozialarbeit gemeinsam mit den regionalen Sozialen Diensten und dem Ludwigshafener Haus des Jugendrechts. Schulart übergreifend sind sich die Schulleiter einig, dass Schulsozialarbeit das Klima in ihren Schulen verbessert hat und eine unverzichtbare Bereicherung und Hilfe für Schüler, Eltern und Lehrer darstellt. Gute Bildung und Schulen mit attraktivem Bildungsklima dürfen als Standortfaktor für Ludwigshafen nicht unterschätzt werden. Dem im Kinder- und Jugendhilfegesetz formulierten Ziel der „Verbesserung der Lebens- und Entwicklungsbedingungen von Kindern und Jugendlichen“ (§1 III, Nr. 4 SGB VIII) kann so ein entscheidendes Stück näher gekommen werden.

Deshalb wird sich die SPD-Fraktion auch in Zukunft zur kommunalen Schulsozialarbeit bekennen und diese aktiv in der Ludwigshafener Politik fördern und vertreten. Wir haben erreicht, dass die Stellen der Schulsozialarbeiter für weitere zwei Jahre verlängert werden, um ausreichend Zeit und Raum für eine Konzeptentwicklung und die Begleitung der Anlaufphase der Realschule plus zu sichern.

Wir fordern eine feste Einplanung der Schulsozialarbeiter im Stellenplan und eine kommunale Trägerschaft mit dauerhafter finanzieller Unterstützung des Landes. Nur so kann eine optimale Vernetzung mit der Jugendhilfe zum Wohle der Schüler und ihrer Familien garantiert werden!

Herzliche Grüße
Ihre

Julia May
stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion

 
 

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